
Ein ernstes Problem, das harmlos klingt. Krankhaft starke Schweißneigung ist für Betroffene extrem belastend. Ein minimalinvasiver Eingriff kann für dauerhafte Heilung sorgen.
Von Heike Kossdorff
Rund ein bis drei Prozent der Bevölkerung leiden unter Hyperhidrose, also verstärktem Schwitzen, vor allem an Händen, Achseln, Füßen und im Gesichtsbereich. Neben nichtoperativen Maßnahmen wie Botulinumtoxin-Injektionen (Botox) oder schweißhemmender Medikation stehen auch chirurgische Verfahren zur Verfügung. Primar Univ.-Prof. Dr. Johannes Zacherl ist Vorstand der Abteilung für Chirurgie im St. Josef Krankenhaus Wien und führt die Operation jährlich rund 15 bis 20 Mal durch.
Vinzenz magazin: Jeder Mensch schwitzt. Wodurch unterscheidet sich normale Schweißproduktion von krankhafter?
Johannes Zacherl: Bei der pathologisch verstärkten Neigung zu schwitzen erzeugen Betroffene, die ansonsten eine vollkommen normale Schweißproduktion aufweisen, an bestimmten Körperstellen wie Händen regelrecht Wassertropfen. Dieser Schweiß wird von ekkrinen Drüsen gebildet. Er ist wässrig und nahezu geruchlos.
Woran leiden Erkrankte besonders?
Dass die Haut an den betroffenen Stellen entweder die ganze Zeit oder in bestimmten Stresssituationen praktisch wassernass ist und dass alles, was sie berühren, mit Schweiß benetzt ist. Das ist für Betroffene sehr isolierend und unangenehm, weil wir mit den Händen nicht nur viel bewerkstelligen müssen, sondern über sie auch Kontakt zu anderen Menschen herstellen, etwa beim Begrüßen, in partnerschaftlichen Beziehungen und der Sexualität. Die Erkrankung ist eine sehr starke Beeinträchtigung der Lebensqualität, die leider vielfach nicht ernst genommen wird.
Wer ist davon betroffen? Und gibt es Risikofaktoren?
Die auslösenden Ursachen für die Hyperhidrose sind unbekannt. Sie tritt meist ab der Pubertät auf.
Hyperhidrose isoliert und ist sehr unangenehm.

Johannes Zacherl
Wie wird die übertriebene Schweißbildung behandelt?
Es gibt verschiedene lokal anwendbare Therapeutika, die von Dermatologinnen und Dermatologen verschrieben werden. Dazu gehören Antiperspirantien, also aluminiumhaltige Produkte. Sie dienen dazu, die Aktivität der Schweißdrüsen zu verringern. Leider wirken sie oft nicht sehr gut. Es gibt auch Medikamente, die man zur Schweißreduktion einnehmen kann. Und die sogenannte Iontophorese, eine Form der Elektrotherapie. Hier tauchen Patientinnen und Patienten ein- bis mehrmals am Tag die Hände für 20 bis 30 Minuten in ein Wasserbad, durch das ein niedrig-energetischer Strom geschickt wird. Das ist allerdings keine heilende Therapie, sondern muss regelmäßig angewandt werden. Und schließlich gibt es noch Injektionen mit Botulinumtoxin. Sie wirken vor allem bei Achseln gut. Bei den Händen sind sie jedoch schmerzhaft. Außerdem muss man sie alle drei bis sechs Monate wiederholen. Das ist relativ teuer.
Welche Vorteile hat die OP, die Ihr Haus als eine der wenigen Abteilungen in Österreich anbietet?
Der Eingriff nennt sich thorakoskopische Sympathikusblockade. Dabei wird über zwei kleine Hautschnitte unter der Achsel ein Nervenstrang im Brustkorb, der für die Steuerung der Schweißsekretion verantwortlich ist, an bestimmten Stellen mit kleinen Titanclips blockiert. Da der Nervenstrang rechts und links von der Wirbelsäule verläuft, muss auf beiden Seiten operiert werden. Doch der Eingriff ist minimalinvasiv und dauert nur etwa 20 Minuten.
Wie erfolgreich ist die Methode?
In puncto Händen ist die Erfolgsrate für eine sofortige und dauerhafte Heilung mit 95 Prozent sehr hoch, bei Achseln etwas geringer. Allerdings muss Patientinnen und Patienten bewusst sein, dass etwa jede und jeder Dritte danach unter kompensatorischem Schwitzen an anderen Körperstellen leiden kann, meist am Rumpf, also auf Rücken, Brust oder im Bauchbereich. Gerade Betroffene, die an Händen übermäßig schwitzen, nehmen das Risiko aber meist gerne in Kauf, weil für sie alles besser ist, solange die Hände trocken sind. Bei ihnen ist auch die Zufriedenheitsrate nach der OP mit über 90 Prozent sehr hoch. Sie beschreiben es als regelrechten Gamechanger und fühlen sich von der Last des Schwitzens befreit.
Headerbild: iStock
Zitatbild: Alek Kawka