
Gebärmutterschleimhautkrebs betrifft vor allem Frauen nach dem Wechsel. In rund 90 Prozent der Fälle treten Blutungen als Frühsymptom auf. Dr. Lukas Hefler spricht über Symptome, Untersuchungen und Risiken.
Von Heike Krossdorff
In Österreich erkranken jährlich rund 950 Frauen neu an einem Endometriumkarzinom, etwa drei Viertel davon nach den Wechseljahren. Dennoch werden Blutungen in dieser Lebensphase häufig unterschätzt. Also rief Primar Univ.-Prof. Dr. Lukas Hefler, Leiter der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe am Ordensklinikum Linz und dem Krankenhaus Barmherzige Brüder Linz, die Initiative „Petrol Ribbon“ gegen Unterleibskrebs ins Leben. Sie setzt auf Informationen in puncto Warnzeichen, moderne Diagnoseverfahren und Behandlungsmöglichkeiten.
Vinzenz magazin: Was versteht man unter einer postmenopausalen Blutung?
Dr. Helfer: Das ist jede Blutung aus der Scheide, die nach den Wechseljahren auftritt, genauer gesagt nach mindestens zwölf Monaten ohne Menstruation. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um eine stärkere Blutung, eine Schmierblutung oder nur wenige Tropfen Blut handelt. Die Stärke der Blutung erlaubt keine zuverlässige Aussage darüber, ob eine harmlose oder eine ernsthafte Ursache vorliegt.
Warum sollten diese Blutungen immer ärztlich abgeklärt werden?
Eine postmenopausale Blutung ist das häufigste Frühsymptom eines Gebärmutterschleimhautkrebses. Dieser entsteht aus den Zellen der Schleimhaut, die die Gebärmutter von innen auskleidet. Es handelt sich um die häufigste Krebserkrankung der weiblichen Geschlechtsorgane in vielen europäischen Ländern. Da frühe Stadien oft keine Beschwerden außer Blutungen verursachen, kommt diesem Symptom besondere Bedeutung zu. Die gute Nachricht lautet: In den meisten Fällen steckt keine Krebserkrankung dahinter. Dennoch lässt sich dies ohne Untersuchung nicht sicher beurteilen.
Die gute Nachricht: meist steckt kein Krebs dahinter.

Dr. Lukas Helfer
Welche gutartigen Ursachen können hinter einer postmenopausalen Blutung stecken?
Die Ursachen reichen von harmlosen Veränderungen wie etwa Schleimhautpolypen der Gebärmutter über die Einnahme von Hormonen (Hormonersatztherapie) bis hin zu Verletzungen der empfindlichen Schleimhaut.
Wie wird die Diagnose Gebärmutterschleimhautkrebs gestellt?
Die Abklärung erfolgt stufenweise. Nach dem Patientinnengespräch und einer gynäkologischen Untersuchung wird ein transvaginaler Ultraschall zur Beurteilung der Schleimhautdicke und möglicher Veränderungen durchgeführt. Ein nächster Schritt ist die Gewebeentnahme aus der Gebärmutter. Häufig erfolgt zusätzlich eine Gebärmutterspiegelung mit gezielter Gewebeentnahme. Entscheidend für die endgültige Diagnose ist immer die feingewebliche Untersuchung des entnommenen Gewebes.
Wie sind die Prognosen, wenn Gebärmutterschleimhautkrebs früh erkannt wird?
Die Prognose ist im Frühstadium ausgezeichnet. Wird der Tumor entdeckt, solange er auf die Gebärmutter begrenzt ist, liegen die langfristigen Heilungs- bzw. Überlebenschancen häufig bei mehr als 90 Prozent.
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
Die Behandlung richtet sich nach Tumorart, Ausbreitung und individuellen Faktoren. Die Standardtherapie in den meisten Fällen ist die Entfernung von Gebärmutter, Eileitern und Eierstöcken, mittlerweile häufig minimalinvasiv mittels Laparoskopie oder roboterassistierter Chirurgie. Aber auch Strahlen- und medikamentöse Therapien können zum Einsatz kommen. Die Behandlung wird heute zunehmend individuell anhand molekularer Tumormerkmale geplant, wodurch viele Patientinnen eine noch präzisere und wirksamere Therapie erhalten.
Das Ordensklinikum Linz hat die erste ESGO-Zertifizierung Österreichs für die Endometriumkarzinom-Chirurgie erhalten. Welche Vorteile hat die Behandlung an einem spezialisierten Zentrum für Patientinnen?
Die hohe Fallzahl bei uns ist ein wichtiger Parameter für Qualität. Wir haben zudem ein Fast-Track-Modell zur Abklärung von Patientinnen mit postmenopausaler Blutung implementiert und die Operationen werden durch zertifizierte Chirurginnen und Chirurgen durchgeführt.
Headerbild: © iStock
Porträtbild: Ordensklinikum Linz