Frau sieht auf Handy mit orangen Punkt und schwarz-weißem Schachbrett-Muster
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Die Augen-App

Medizin
Reportage
Innovation

Ein Rieder Augenarzt entwickelte die erste Therapie zur Behandlung von trockener Makuladegeneration im Alter. Eine weltweit beachtete Innovation aus dem Innviertel.

Von Karin Lehner

Petra H. spendet Lob auf der Facebook-Seite des Spitals. „Danke für Ihre Forschung. Sie helfen vielen Menschen“, schreibt die Tochter eines Patienten. Adressat ist Primar Dozent Dr. Robert Hörantner, Leiter der Abteilung für Augenheilkunde in Ried. Der Visionär entwickelte mit einem örtlichen Start-up den Medical Eye Trainer (M.E.T.), eine App zur Behandlung der trockenen Form von altersbedingter Makuladegeneration (AMD). Eine Digital-Innovation aus dem Innviertel, die in Europa wie der Welt wohl einzigartig ist. „Mir ist nichts Vergleichbares bekannt.“

Verbreitete Makuladegeneration

„AMD sorgt für Veränderungen im Zentrum der Netzhaut“, erklärt der Augenarzt. „Die Sicht wird schlechter, unschärfer, verschwommener und eingetrübter, mit reduziertem Farbspektrum. Später zeigen sich dunkle Flecken.“ Laut WHO gibt es weltweit 100 bis 200 Mio. Betroffene, in Österreich rund 150.000 bis 200.000. Während die seltene feuchte Form medikamentös behandelbar ist, gab es bei der trockenen nur wenige Therapien durch Nahrungsergänzungsmittel oder Licht, die den Verlauf ein wenig bremsen. Letztere macht 85 bis 90 Prozent aller Fälle aus, mit schätzungsweise 180.000 Betroffenen hierzulande. Zu den Risikofaktoren zählen Alter, Rauchen, genetische Faktoren und schlechte Ernährung.

Paradigmenwechsel

Nun eröffnet das in App-Stores für iOS und Android erhältliche Handy- oder Tablet-Tool neue Perspektiven. Die Einmalkosten für eine lebenslange Lizenz betragen 59,99 Euro, inklusive Updates. Beim Training halten sich AMD-Patient*innen ein Auge zu und beobachten mit dem erkrankten täglich 90 Sekunden gegeneinanderlaufende schwarze und weiße Quadrate. In der Mitte befindet sich ein oranger Smiley, der seine Mimik verändert. „Das Flimmern aktiviert ungenutzte Nerven- und Sehzellen der Netzhaut“, erläutert Hörantner. „Sie können Aufgaben geschädigter Bereiche teilweise übernehmen.“ Zwei Studien aus Ried mit 75 untersuchten Augen beweisen, dass das Sehorgan sogar im hohen Alter dazulernen kann. „Nach Vorbild des Gehirns gibt es wohl auch im Auge eine Art Plastizität.“

Die Sehkraft der Proband*innen verbesserte sich binnen zweier Monate im Schnitt um 11 Prozent, bei einigen deutlich mehr. „Es kam zu Erleichterungen beim Lesen oder Erkennen von Gesichtern“, bilanziert Hörantner. Die Ansprechquote auf den M.E.T. lag bei 80 Prozent. „Tägliches Training holt das Beste aus noch vorhandener Sehkraft heraus und bremst die AMD-Entwicklung.“

Augenarzt kontrolliert Augen von Patientin

Augenarzt Robert Hörantner untersucht die Augen seiner Patientin.

Nicht alle sollen trainieren

Weitere Studien folgen. Ob die App auch von sehgeschwächten Menschen ohne AMD genutzt werden soll, sieht Hörantner aber kritisch. „Sie wirkt zwar hier auch, aber es besteht Übertrainingsgefahr.“ Schließlich absolvieren Augen pro Tag zwischen 25.000 und 30.000 Bewegungen.

Augen auf! So schützen Sie Ihr Sehorgan:

  • Die Hornhaut muss sauber sein. Ins Auge dürfen keine Fremdkörper oder chemische Substanzen kommen, die es schädigen können.

  • In der Sonne immer Brille mit CE-Zertifizierung und UV-Schutz tragen. Stark reflektierte UV-Strahlung kann die Netzhaut beeinträchtigen.

  • Vorsorge bei Augenärztinnen* und -ärzten*. Werden Erkrankungen früh erkannt, sind sie meist gut behandelbar.

  • Nicht rauchen. Zigaretten schaden feinen Gefäßen im Auge.

  • Auf eine gesunde, ausgewogene Ernährung achten. Und viel trinken, besonders bei trockenen Augen im Alter.

Headerbild: Eine Patientin trainiert mit dieser App regelmäßig ihre Sehkraft.
© Hirnschrodt

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