Junges braunhaariges Mädchen in Arbeitskleidung im Krankenhaus
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Ein Jahr für andere und sich selbst

Medizin
Interview
Erfahrungsbericht

Laura Trilsam absolviert ihr Freiwilliges Soziales Jahr im Spital in Ried im Innkreis. Neben dem Engagement für andere klärt sich ihre berufliche Zukunft.

Von Claudio Honsal

Im Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Ried absolvieren drei junge Menschen das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ). Einer von ihnen ist die 23-jährige Laura Trilsam aus Zell an der Pram. Sie entdeckte hier ihre persönlichen Stärken und orientierte sich neu.

Vinzenz magazin: Was hat Sie dazu bewogen, das FSJ zu absolvieren?

Laura Trilsam: Nach der HAK-Matura und einem zweijährigen Bürojob war ich mir unsicher, ob ich das weitermachen will. Also habe ich mich erkundigt und bin auf das Angebot des FSJ gestoßen.

Konnten Sie den Standort und die Tätigkeit auswählen?

Ja. Man kann zur Rettung gehen, mit beeinträchtigten Menschen oder Kindern arbeiten oder eben im Pflegebereich in einem Krankenhaus tätig sein.

Sie arbeiten seit Oktober 2025 in der Pflege des Spitals. Warum?

Mich hätte immer der Beruf als Hebamme interessiert. Doch hier war kein Ausbildungsplatz frei. Durch meine Großeltern, die in einem Pflegeheim sind, konnte ich erste Einblicke in den Pflegeberuf bekommen. Diese Tätigkeit hat mich sofort begeistert. Also wollte ich via FSJ über einen längeren Zeitraum hineinschnuppern, um mir ein Urteil zu bilden.

Wie fällt Ihr Urteil nun aus?

Der Beruf birgt gewisse Herausforderungen. Auf der Neurologie erlebe ich sehr emotionale Situationen, vor allem mit älteren Menschen. Aber ich habe dabei sehr viel gelernt, denn ich war anfangs eher schüchtern. Doch die Zusammenarbeit mit dem pflegerischen und ärztlichen Personal und Patientinnen und Patienten im Krankenhaus könnte nicht besser sein. Ich fühle mich rundum wohl.

Was konnten Sie bislang lernen?

Ziemlich viel. Das beginnt bei all den Fachbegriffen, die mir vom fixen Klinik-Mitarbeitenden bestens beigebracht werden. Ich lernte, wie ich mit älteren Menschen richtig spreche und auf sie zugehe. So habe ich meine Schüchternheit abgelegt und meine Persönlichkeit gestärkt. Es ist wunderschön und ermunternd, wenn ich die Dankbarkeit und das Lächeln in den Gesichtern von Patientinnen und Patienten sehe. Ich lerne menschlich jeden Tag dazu und kann meine sozialen Kompetenzen ausbauen. Das ginge in einem Bürojob nie.

Wie ist Ihr Tagesablauf?

Morgens sorge ich für die Ausgabe des Frühstücks. Danach begleite ich das Fachpersonal bei der Visite und helfe, falls nötig, Patientinnen und Patienten bei der Körperpflege, zum Beispiel beim Anziehen, und Essen. Nachmittags folgt der organisatorische Teil, bei Aufnahmen, Entlassungen, Zimmer-Hygiene und anderen Tätigkeiten.

Im Rahmen des FSJ gibt es auch Fortbildungstage. Welche?

In regelmäßigen Abständen haben wir eine Woche FSJ-Seminare in Linz. Zunächst ging es um die Berufsorientierung. Wo möchte ich beruflich hin? Hier wird man mit verschiedenen Situationen konfrontiert, zum Beispiel dem Umgang mit dementen Patientinnen und Patienten oder dem Sterben. Dabei lernte ich, mit schwierigen Situationen umzugehen. Alles sehr hilfreich für die Praxis.

Können Sie vor Beendigung des FSJ eine Entscheidung über Ihre berufliche Zukunft treffen?

Das Hineinschnuppern ist für mich zur Berufswahl geworden. Ich werde hier im Krankenhaus vorerst die dreijährige Pflegeausbildung absolvieren, aber auch weiterhin ein Auge auf einen Platz in der Hebammen-Ausbildung werfen.

Würden Sie das FSJ weiterempfehlen?

Auf jeden Fall. Es gibt einem nicht nur eine klare Vorstellung, wie der Beruf abläuft, sondern auch den besten Einblick über persönliche Stärken und Schwächen. So hilft es ungemein bei der beruflichen Orientierung. Für mich kein verlorenes Jahr, sondern ein wegweisendes.

Orientierung fürs Leben beim FSJ

Das „Freiwillige Soziale Jahr“ (FSJ) wurde 1968 eingeführt. Es bietet jungen Menschen ab 18 die Möglichkeit, zehn bzw. elf Monate in einer sozialen Einrichtung mitzuarbeiten. In dieser Zeit werden die Freiwilligen pädagogisch und individuell begleitet. Start des FSJ ist jeweils der 1. September oder 1. Oktober, Dienstende ist am 31. Juli des Folgejahres. Die Arbeitszeit ist mit 34 Wochenstunden und 10 Stunden am Tag begrenzt, wobei zwei Wochenenddienste im Monat anfallen können. Der Verdienst beläuft sich auf 520 Euro im Monat. Ein Jahres-Klimaticket wird bereitgestellt. Während der Einsatzzeit haben Freiwillige Anspruch auf Verpflegung bzw. Kostenersatz. Infos und Bewerbungen unter www.fsj.at.

Headerbild: Rambossek

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