
Eine Staublunge, ein spät geleisteter Zivildienst und schließlich die Berufung. Ein ausgebildeter Bäcker und Konditor verrät im sehr persönlichen Gespräch, warum er in die Pflege wechselte.
Von Claudio Honsal
Stefan Bösenbacher ist eigentlich gelernter Bäcker- und Konditorgeselle. Heute arbeitet er jedoch als Pflegeassistent im Haus St. Katharina der Barmherzige Schwestern Pflege GmbH der Courage Gruppe. Und fand hier seine Erfüllung.
Vinzenz magazin: Warum haben Sie die ersten Lehrberufe gewählt?
Stefan Bösenbacher: Obwohl ich familiär unvorbelastet bin (schmunzelt), habe ich schon als Kind gerne gebacken. Mit 15 begann ich eine Lehre als Bäcker, im Anschluss auch eine als Zuckerbäcker sowie Konditor und schloss beide ab.
Nach acht Jahren war aber Schluss. Warum?
Mein Beruf machte mir ungeheuren Spaß, aber ich konnte ihn aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben. Ein Lungenfacharzt diagnostizierte mir leider die in diesem Beruf häufig auftretende Staublunge. Aufgrund der Belastung durch feinen Mehlstaub sank meine Lungenkapazität von 100 auf 60 Prozent. Hätte ich weitergemacht, würde ich nun unter starkem Asthma leiden. Mittlerweile haben sich meine Lungenwerte wieder normalisiert.
Überlegten Sie lange in puncto Neuorientierung?
Nein. Nur leistete ich etwas verspätet meinen Zivildienst im Pflegebereich. Das beeindruckte mich sehr. Gleich danach absolvierte ich die einjährige Ausbildung zum Pflegehelfer. Und im Vorjahr machte ich die Prüfung zum Pflegeassistenten.
Was wird hier verlangt?
Ich drückte lange die Schulbank und bekam eine grundlegende pflegerische wie rechtliche Basis vermittelt. Ein halbes Jahr leistete ich in der mobilen Pflege sowie Krankenhäusern und Pflegeheimen die praktische Ausbildung. Da wurde mir klar, dass ich in einem Team arbeiten möchte und nicht als mobiler Pfleger.
Was machte der Wechsel in eine ganz andere Branche mit Ihnen?
Als Bäcker arbeitete ich relativ einsam an der Erfüllung meines Plansolls. Jetzt bin ich in einem Team mit Menschen, die mir etwas geben und denen ich viel zurückgeben kann. Ich erlebe ein tolles Gemeinschaftsgefühl und erfahre von Bewohnenden viele berührende Geschichten.
Wofür sind Sie zuständig?
Für die Körperpflege, Medikamenten- und die Essensausgabe sowie Mobilisation unserer Bewohnenden. Wenn ich Erfolg sehe, freut mich das.

Sie haben eine emotionale Bindung zu den Bewohnenden. Wie gehen Sie mit Todesfällen um?
Ich habe das in anderen Häusern und im privaten Umfeld bereits erlebt. Neben meinem Hauptberuf engagiere ich mich in der Pfarre St. Josef im 22. Bezirk und bin als Leiter der Ministrierenden, im Pfarrgemeinderat und in der Theatergruppe des Pfarrheims aktiv. Mir hilft mein Glaube, mit Tod und Sterben umzugehen. Aber es ist schon emotional aufwühlend, ein Zimmer zu betreten, und der vertraute Mensch ist nicht mehr da. Obwohl wir in der Vinzenz Gruppe psychologische Hilfe in Anspruch nehmen können, setze ich mich lieber in die Kapelle und bete für Verstorbene. Das hilft mir sehr.
Was motiviert Sie für den fordernden Beruf?
Man muss sich innerlich für diese Berufung entscheiden und sie mit Freude, Herz und Seele ausüben. Wer das nicht tut und den Beruf nur als Job oder zum Geldverdienen sieht, wird darin weder gut noch glücklich sein. Mit dieser Einstellung fällt es mir leicht, auf die Bedürfnisse der Bewohnenden einzugehen.
Haben Sie den Wechsel je bereut?
Nein, denn als Pfleger sehe ich mich in einer sozial wichtigen, menschlich relevanten und für mich erfüllenden Rolle. Aber in meiner Freizeit backe ich noch immer gerne.
Stefan Bösenbacher kam 1993 in Wien zur Welt. Nach dem Schulabschluss begann er eine Lehre als Bäcker bei Ströck und absolvierte danach die Ausbildung zum Konditor.
Wegen gesundheitlicher Probleme orientierte er sich nach acht Jahren neu und begann die einjährige Ausbildung zum Pflegeassistenten. Seit April 2025 ist er im Haus St. Katharina der Barmherzige Schwestern Pflege GmbH tätig und begleitet dort 99 Bewohnende im Alltag. Privat findet er Ausgleich beim Wandern, in einer Laientheatergruppe und beim Backen für Freundinnen* und Freunde* wie Familie.

Bilder: Alek Kawka, privat