Patient nach Gelenks-OP mit Chirurgen, stehen im Krankenhausgang
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Eine neue Hüfte im Vorbeigehen

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In Wien erhielten zwei Patienten erstmals ein neues Hüftgelenk in der Tagesklinik. Sie gingen bereits am selben oder nächsten Tag nach Hause. Ein Meilenstein in der Orthopädie.

Von Karin Lehner

Nikolaus Krones ist 40, selbstständiger Schlosser und Vater eines kleinen Kindes. Weil der Sportliche mit Schmerzen an der Hüfte lebte, entschied er sich für eine Prothese. „Ich wollte mir Socken und Schuhe wieder schmerzfrei anziehen können.“ Er ließ die OP in der Tagesklinik des Herz-Jesu Krankenhauses Wien durchführen, einem Kompetenzzentrum für künstlichen Gelenkersatz. So wie bei einem stationär durchgeführten Eingriff dauert die Operation zwischen 40 und 60 Minuten und erfolgt in Vollnarkose. „15 Minuten nach dem Aufwachen bekam ich ein Wassereis für Zuckerhaushalt und Kreislauf“, erinnert sich der Patient. „40 Minuten später bin ich schon das erste Mal aufgestanden und drei Schritte gegangen, seitwärts wie vorwärts. Das hat top geklappt.“

Ähnlich bei Karl Schwaiger. Der 72-jährige Pensionist stand kurz nach dem Erwachen aus der Narkose in der Tagesklinik auf seinen Beinen. „Ich fühlte mich sehr gut.“ Das Spital verließ er mit dem neuen Hüftgelenk am nächsten Tag. Er möchte wieder Sport betreiben. „Tennis spielen, Rad fahren und schmerzfrei auf dem Unterberg wandern.“

Für jedes Hüftgelenk gibt es Gelenkersatz in der richtigen Größe.
© Robin Weigelt/Herz-Jesu Krankenhaus Wien

Vertrauen in Implantat ist wichtig

Operiert wurde Krones von Primar Prof. Priv.-Doz. DDr. Christoph Böhler, Facharzt für Orthopädie und Traumatologie und Vorstand der I. Orthopädischen Abteilung. „Die tagesklinische OP erfolgt nur auf eigenen Wunsch, denn es braucht Motivation, Grundfitness und Hilfe zu Hause.“ Alle anderen Patient*innen bleiben einige Tage im Spital. Primar Dr. Gerald Loho, Vorstand der II. Orthopädischen Abteilung und Facharzt für Orthopädie und orthopädische Chirurgie, sagt: „Für den Heilungserfolg brauchen Patientinnen und Patienten Vertrauen ins Implantat und ihre Selbstständigkeit.“

Möglich wird die schnelle Entlassung durch minimalinvasive OP- und schonende Narkose-Techniken, eine individuell angepasste Schmerztherapie sowie Zusammenarbeit von Anästhesie, Pflege, Physio- und Ergotherapie. Angst vor der Entlassung ist unbegründet. „Patient*innen bekommen eine Notfall-Medikation, falls Schmerzen auftreten“, erklärt Böhler. „Und sie können 24/7 zu uns kommen.“ Turnen, garteln oder schwimmen sollten Frischoperierte dennoch nicht. Für die ersten Tage sind beim Gehen Krücken notwendig. „Doch die Zeiten, in denen bei Hüft-OPs Muskeln und Sehnen durchtrennt wurden und man sich danach nicht bücken durfte, sind dank neuer Techniken und Implantate vorbei“, betont Loho.

Der Patient aus der Tagesklinik kann 24/7 kommen.

Orthopäde Dr. Christoph Böhler

Dr. Christoph Böhler

Orthopäde

Innovation in Österreich

In Österreich ist die tagesklinische Hüftprothese eine Innovation. In Kanada, den USA, Niederlande und Belgien wird der Eingriff schon länger so durchgeführt. Doch im heimischen System sei das routinemäßig noch nicht vorgesehen. „Geeignete Betroffene müssen sorgfältig ausgewählt werden, auf Wunsch würden wir aber gerne mehr so operieren.“

Die neue Hüfte via Tagesklinik ist die Weiterentwicklung der Versorgung auf hohem Niveau. Mit rund 2.892 endoprothetischen Eingriffen 2025 und einer stationären Durchschnittsverweildauer von nur zwei bis drei Tagen nach Hüft-OPs ist sie hier ohnehin bereits verkürzt. Österreichweit beträgt sie sieben Tage. „Wir haben langjährige Erfahrung mit dem Fast-Track- bzw. Rapid-Recovery-System“, so Loho. Hier lernen Patient*innen bereits vor der OP, auf Krücken zu gehen. Zwei Stunden nach der tagesklinischen Hüft-OP stehen sie auf. Kurze Zeit später gehen sie ums Bett. Und drei Stunden danach über den Gang. Nur wer auch das Stiegen-Steigen über ein Stockwerk beherrscht, wird nach Hause entlassen.

Orthopäde Gerald Loho setzt eine Hüft-Endoprothese ein.
© Robin Weigelt/Herz-Jesu Krankenhaus Wien

Keine Verhältnisse wie in den USA

Für Patient*innen ein Vorteil. So senkt ein kurzer Aufenthalt das Infektionsrisiko durch Krankenhauskeime. Die frühe Mobilisierung fördert die Genesung und beugt Komplikationen wie Thrombosen vor. Wer in seinen vier Wänden schläft, erholt sich oft schneller als im Spital. US-Verhältnisse, wonach alle sofort nach der OP entlassen werden, um dann auf eigene Kosten nebenan im günstigeren Hotel zu logieren, sind laut Loho „nicht zu befürchten“. Und Böhler ergänzt: „Die Zukunft der Medizin ist personalisiert, auf der Station wie in der Tagesklinik.“

Headerbild: Der sportliche Schlosser Nikolaus Krones ist kurz nach der Gelenks-OP mit seinem Chirurgen, Christoph Böhler, unterwegs.
© Robin Weigelt/Herz-Jesu Krankenhaus

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