Redakteurin Dr.in Franziska Dzugan
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Gastkommentar: Adipositas ist eine Krankheit

Kommentar

Dr.in Franziska Dzugan, Profil-Redaktion Wissenschaft

Immer wieder berichten mir Betroffene, wie sie dieser simple Satz zu Tränen rührte: „Adipositas ist eine Krankheit.“ Ausgesprochen von einer ärztlichen Fachkraft, die sie endlich ernst nahm und nicht das sagte, was sie im Behandlungszimmer schon hundert Mal gehört hatten: Dass sie selbst schuld seien an ihrem Übergewicht und nur weniger essen und mehr sporteln sollten, dann würden die Kilos schon purzeln. So einfach ist es leider nicht. Bei Menschen mit Adipositas wirken unter anderem die Sättigungshormone nicht ausreichend. Das heißt: Egal, wie sehr sie sich zurückhalten, irgendwann setzt sich der Hunger wieder durch. In der Forschung ist diese Tatsache schon lange anerkannt, in manchen Arztpraxen und in Teilen der Gesellschaft ist sie aber noch nicht angekommen.

Nur so lässt sich erklären, dass viele Patient*innen mit ihrem Leiden immer noch alleingelassen werden. Dabei gibt es seit einigen Jahren wirksame Medikamente gegen Adipositas. Die sogenannten Abnehmspritzen beinhalten Sättigungshormone, die der Darm natürlicherweise bildet. Sie reduzieren das Gewicht und damit auch das Risiko für Bluthochdruck, Diabetes, Fettleber, Herz-Kreislauf-Probleme, Gelenkschmerzen und Krebs. Unter medizinischer Begleitung angewendet sind sie ein echter „Gamechanger“, darin sind sich Fachleute einig. Wie das Institut für Höhere Studien (IHS) berechnete, sind bereits fünf Prozent der Gesundheitsausgaben und eine halbe Million Krankenhaustage auf Folgeerkrankungen von Adipositas zurückzuführen, Tendenz steigend. Trotzdem wird die Therapie nur in Ausnahmefällen von der Kasse bezahlt. Das muss sich schleunigst ändern.

Der Kommentar gibt die Meinung der Autorin wieder und muss nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen.

Bild: Alexandra Unger

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