
Viele Menschen plagt vor einer Magen- oder Darmspiegelung ein mulmiges Gefühl. Eine Ärztin zeigt uns den Ablauf dieser wichtigen Vorsorgeuntersuchungen und eine Patientin verrät, wie es ihr dabei gegangen ist.
Von Heike Krossdorff
Viele Menschen haben Angst vor einer Magen- oder Darmspiegelung, weil sie nicht wissen, was auf sie zukommt. Das ist Oberärztin Dr.in Ramona Al-Zoairy bewusst, Fachärztin für Gastroenterologie, Hepatologie sowie Innere Medizin. Sie führt in der II. Medizinischen Abteilung des Barmherzige Schwestern Krankenhauses Wien seit zehn Jahren Gastro- und Koloskopien durch. „Die Furcht ist unbegründet, denn Patient*innen schlafen während der Untersuchung und bekommen nichts mit.“
Die Routineeingriffe haben eine niedrige Komplikationsrate. Allein hier werden jährlich 6.000 endoskopische Untersuchungen durchgeführt, davon zirka 2.400 Gastro- und 2.100 Koloskopien.
Die Gastroskopie wird zur Abklärung von Beschwerden im oberen Verdauungstrakt eingesetzt, bei Entzündungen oder Geschwüren. Die Koloskopie spielt eine zentrale Rolle in der Vorsorge, wird allen ab 45 empfohlen und gilt der Früherkennung von Darmkrebs. Veränderungen wie Polypen oder Adenome können dabei entdeckt und oft sofort entfernt werden, noch bevor sie sich zu Krebs entwickeln. „Damit lässt sich die Entstehung eines Karzinoms und dessen Metastasierung häufig verhindern“, weiß die Gastroenterologin. Cristina S. leidet unter Magen- und Darmproblemen und ließ die endoskopischen Eingriffe durchführen. „Ich war durch das gute Vorgespräch angstfrei.“ Hier wurden Medikamente besprochen und individuelle Risiken abgeklärt. Die Vorbereitung ist einfach. „Vor der Gastroskopie bitte mindestens acht Stunden nichts essen“, erklärt Al-Zoairy. „Bei der Koloskopie sollte man bereits eine Woche vorher auf schwer verdauliche Lebensmittel verzichten“, auf Körner, Äpfel, Kiwi und Wassermelone. „Sie könnten während der Untersuchung die Sicht beeinträchtigen.“ Am Vortag muss eine Flüssigkeit zum Abführen getrunken werden, damit der Darm leer ist.
In der Regel bekommen Patient*innen eine leichte Sedierung für einen Schlummerschlaf. „Sie spüren nichts und uns Ärzt*innen erleichtert das den Eingriff.“ Mithilfe des Gastroskops, eines flexiblen dünnen Schlauchs, wurden bei S. Speiseröhre, Magen und ein Teil des Zwölf-Fingerdarms untersucht. Bei der Darmspiegelung via Koloskop können der gesamte Dickdarm inklusive Rektum und der letzte Teil des Dünndarms eingesehen werden. Für eine bessere Sicht wird laut Al-Zoairy Luft eingebracht. „Ein Teil wird abgesaugt, der Rest entweicht von selbst.“ Die beiden jeweils rund einstündigen Untersuchungen wurden bei S. hintereinander durchgeführt. Sie können ambulant oder stationär erfolgen. Nach der Kurznarkose werden Patient*innen so lange überwacht, bis sie wach und alle Organfunktionen wieder normal sowie stabil sind. „Nach der Sedierung dürfen Patient*innen jedoch kein Fahrzeug lenken“, warnt Al-Zoairy. Cristina S. möchte anderen Betroffenen Sorgen nehmen. „Ich habe nichts gespürt. Davor muss sich niemand fürchten.“








Am Vortag des Eingriffs wird eine Flüssigkeit zum vollständigen Entleeren des Darms verabreicht.

Während einer leichten Schlummernarkose wird die Magen- und Darmspiegelung vorgenommen.

Im Informationsblatt wird die Patientin auf Risiken und Vorgehen bei einer Gastroskopie hingewiesen.

Das Gastroskop liefert Bilder aus Speiseröhre, Magen und einem Teil des Zwölffingerdarms.
Headerbild: Internistin Ramona Al-Zoairy führt vor der Untersuchung ein ausführliches Gespräch mit ihrer Patientin Cristina S. © Alek Kawka