Ältere Frau mit Brille sitzt mit kleinem Hund in einem roten Sessel.
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Lichtblick in einer dunklen Lebensphase

Medizin
Reportage
Innovation

Im Tageshospiz Aumannplatz erleben Menschen mit lebensbedrohlicher Erkrankung Palliativmedizin und Menschlichkeit. Ein Lokalaugenschein, der Hoffnung schenkt.

Von Claudio Honsal

Wenn Elisabeth Schelmberger spricht, liegt Ruhe im Raum. Warmes Licht fällt auf den Ohrensessel, ihr Hund Poldi legt den Kopf auf ihren Schoß. Die Atmosphäre im Wiener Tageshospiz Aumannplatz erinnert mehr an ein Wohnzimmer als eine medizinische Einrichtung. Die 63-Jährige lebt mit Brustkrebs und Knochenmetastasen. Eine Diagnose, die ihr Leben radikal veränderte. „Ab einem gewissen Zeitpunkt war ich auf der Suche nach einem Ort, der meine Lebensqualität ein Stück verbessern kann.“ Hier findet sie Sicherheit, Gemeinschaft und neuen Lebenswillen.

Mobile Palliativbetreuung

Auf 320 modern ausgestatteten Quadratmetern bietet das Tageshospiz von Montag bis Freitag zwischen 8.30 und 16.00 Uhr ein begleitendes Angebot für unheilbar kranke Menschen. Dr.in Veronika Mosich ist Palliativmedizinerin im Barmherzige Schwestern Krankenhaus Wien und arbeitet großteils als ärztliche Leiterin des elfköpfigen ärztlichen Teams des CS Hospizes Rennweg inklusive Tageshospiz Aumannplatz. „Wir begleiten Patientinnen und Patienten mit lebensbedrohlichen Tumor- oder Neurologieerkrankungen, die aber so weit mobil sind, dass sie uns eigenständig erreichen können.“

Das Tageshospiz ist eine Einrichtung der St. Carolus GmbH, die durch CS Caritas Socialis und den Orden der Borromäerinnen, den Barmherzigen Schwestern vom heiligen Karl Borromäus, getragen wird. Es schließt die wichtige Lücke zwischen mobilem Palliativteam und stationärer palliativer Betreuung.

Der Unterschied zum Spital

Fachkräfte aus der Pflege, Seelsorge und Physiotherapie bieten hier (Schmerz-)Behandlung, Beratung und Begleitung. Gesundheits- und Krankenpflegerin Anna Schneider, DGKP, ist eine von drei diplomierten Pflegekräften, die hier sechs Tagesgäste betreuen. „Sie werden nach individuellen Bedürfnissen umsorgt, ohne Muster oder vorgegebenes Programm. Damit unterscheiden wir uns vom Krankenhaus.“

Das gemeinsame Frühstück, frisch gekochtes Mittagessen und eine Kaffeejause mit Kuchen von Hausdame Svetlana strukturieren den Tag. Kunst- und Musiktherapie, psychologische Begleitung, Seelsorge und sozialarbeiterische Unterstützung stehen zur Verfügung, alles freiwillig. „Wir wollen für ein paar Stunden von Krankheit, Sorgen und Angst wegführen“, sagt Schneider, „und den Menschen ein wenig Unbeschwertheit ermöglichen.“ Schließlich lautet das Motto des Tageshospizes „aufatmen“.

Schelmberger schätzt das Angebot. „Wenn ich reden will, setze ich mich wo dazu. Wenn ich müde bin, ziehe ich mich in ein Zimmer zurück. Alles zwanglos.“ Die Freiheit, selbst entscheiden zu dürfen, gibt ein Stück Kontrolle zurück. Palliativmedizinerin Mosich erklärt den Wert von Gemeinschaft. „Schwerkranke leiden oft unter großer Einsamkeit. Wir wollen vermitteln, dass man auch mit einer lebensbedrohlichen Erkrankung gut und respektvoll unter Menschen leben kann.“

Herzlichkeit macht Mut

Die Kosten für den Aufenthalt werden bis auf einen Selbstbehalt von zehn Euro pro Tag vom Fonds Soziales Wien übernommen. Das inkludiert auch den Fahrtendienst. Doch der Wert des Ortes lässt sich nicht in Geld messen, weiß Pflegerin Anna Schneider. „Wir arbeiten hier mit Respekt und Achtung vor dem Schicksal unserer Gäste und mit großer Herzlichkeit. Denn wir wollen Lichtblicke schaffen und erleben manchmal, wie Menschen in schweren Lebensabschnitten wieder etwas Mut fassen.“

Solchen Mut strahlt auch Schelmberger aus. Sie hat nach zwölf Monaten im Tageshospiz viele Pläne für das neue Jahr. „Ich möchte eine Ballonfahrt machen, im Sommer mit einem Porsche-Cabrio mitfahren und für eine Woche ein großes Haus in der Steiermark mieten, wo ich viel Zeit mit meiner großen Familie verbringen kann.“

Headerbild: Elisabeth Schelmberger genießt mit Poldi die Ruhe im Tageshospiz.
© Severin Dostal

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