Arzt sitzt und sieht sich Bauchbereich von stehendem Patienten an
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Neue Silhouette, neues Leben

Medizin
Seelische Gesundheit
Reportage

Nach großer Gewichtsabnahme kann sich die Haut nicht völlig zurückbilden. Ein Patient erzählt, wie eine Straffungsoperation nach der Körperkontur auch die Lebensqualität verbessert hat.

Von Heike Krossdorff

David T. hatte seine Strategie, um mit privaten Problemen und dem damit verbundenen Druck umzugehen. Er aß, jahrelang. Und zwar große Mengen. Bis er schließlich 198 Kilogramm wog. Nach seiner Scheidung 2023 sollte alles anders werden. Er begann abzunehmen. Die ersten 20 Kilo durch reduzierte Kalorienzufuhr. Weitere 30 mit Unterstützung der Abnehmspritze. Den Erfolg konnte T. aber nicht genießen, weil sich seine Haut nicht zurückbildete. Große Mengen überschüssige Haut und darunterliegendes Fett hingen über dem Bauch, die sogenannte Fettschürze. Das war nicht nur optisch wenig ansprechend, sondern behinderte ihn massiv im Alltag. „Ich konnte mich nur noch schlecht bewegen, kaum mehr schlafen und hatte Probleme beim Gang auf die Toilette“, erinnert sich der 61-Jährige. „Dazu kamen Hautreizungen und Entzündungen unter der Fettschürze.“

Von einem befreundeten Mediziner wurde er an Primar Prof. (DMC) Dr. Boris Todoroff verwiesen, Leiter der Abteilung für Plastische und Rekonstruktive Chirurgie im St. Josef Krankenhaus Wien. Er ist auf Straffungsoperationen spezialisiert und führt im Jahr etwa hundert durch. Beim chirurgischen Eingriff wird überschüssiges Haut- und Fettgewebe an der Bauchdecke unter Vollnarkose entfernt. Auch an Oberschenkeln, Oberarmen und Gesäß kann die nach massivem Gewichtsverlust oft nötige Operation durchgeführt werden.

Hauterkrankung durch Reibung

„Wenn Patientinnen und Patienten viel Gewicht reduzieren, etwa mithilfe von Abnehmspritze, bariatrischer Chirurgie, also Magenverkleinerungen, oder nach Schwangerschaften, ist die Elastizität der Haut limitiert. Wie bei Dehnungsstreifen sind die elastischen Fasern gerissen, sodass sich die Haut nicht mehr zusammenziehen kann“, erklärt der plastische Chirurg.

Die oft stark erschlaffte Haut bleibt als Hautfalte mit dahinterliegendem Fettgewebe zurück und führt zu Komplikationen an Stellen, wo Haut an Haut liegt. „Es entsteht die sogenannte Intertrigo-Symptomatik, eine entzündliche Hauterkrankung, die durch mechanische Reibung, Wärme und Feuchtigkeit in Hautfalten entsteht. Sie äußert sich typischerweise durch Rötungen, Nässen, Juckreiz und Brennen. Auch Pilze können wachsen.“ Neben dem kosmetischen Problem handelt es sich hier also auch um ein medizinisches. Auch psychisch ist die herabhängende Haut belastend. Viele Betroffene schämen sich.

Große OP mit großer Wirkung

Mit einer Straffungs-OP kann Betroffenen geholfen werden. Dabei zeichnet der Chirurg vor dem Eingriff im Stehen an, wie die Schnittführung erfolgen soll. Wie viel das entfernte Gewebe wiegt, kann er vorab nicht genau prognostizieren. „Es wird nach der Entfernung noch im OP abgewogen“, verrät Todoroff.

Ein Urlaubsfoto aus schweren Zeiten. David T. hatte einst 198 Kilogramm. © privat

Im Fall von David T. waren es 15 Kilogramm und ein Quadratmeter entstandene Wundfläche. Nach der Entfernung des überflüssigen Gewebes wird gestrafft. „Wir ziehen die Haut oberhalb der Wundfläche nach unten und straffen gleichzeitig seitlich.“ Die Haut wird vernäht und kleine Drainagen für den Abfluss von Wundflüssigkeit gelegt. Danach wird ein Kompressionsmieder angelegt. Es soll für etwa sechs Wochen getragen werden. David T. wurde im Jänner operiert und blieb anschließend zehn Tage im Krankenhaus, bis die Drainage entfernt werden konnte. Die Wundheilung ist meistens nach ein bis zwei Monaten abgeschlossen.

Neue Lebensqualität

Anfangs ist das Empfinden in der operierten Region noch herabgesetzt. „Da die Haut großflächig abgelöst und Nerven durchtrennt werden müssen, ist sie in diesem Bereich oft taub. Aber das Gefühl kehrt nach einer Weile zurück“, führt der Chirurg aus. Die OP ist bei Bedarf wiederholbar. Wenn David T. wie geplant weiter abnimmt und sein Ziel von unter 100 Kilogramm erreicht, könnte er danach eine weitere Straffungsoperation durchführen lassen.

Für die Kostenübernahme durch Krankenkassen gibt es Voraussetzungen. So muss das Gewicht für ein Jahr stabil bleiben. David T. würde den Schritt immer wieder machen. Er ist vom Ergebnis begeistert und von seiner neuen Lebensqualität. „Ich kann mich wieder viel besser bewegen. Das ist wichtig, um Muskeln aufzubauen und noch mehr Gewicht abzunehmen.“


Headerbild: Chirurg Boris Todoroff freut sich mit seinem Patienten über die neue Figur. © Alek Kawka

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