Ärzte-Team im OP
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Quietschente im Team

Reportage
Medizin
Innovation

In Ried wird die Carotis-Operation immer wieder in Regionalanästhesie durchgeführt. Ein gelbes Gummitier spielt eine wichtige Rolle während dieser speziellen Narkose.

Von Karin Lehner

Alois Leeb hatte eine „Wohlfühl-OP“. „Eine Ärztin sprach mit mir. Ich war von der Situation positiv überrascht, obwohl ich mitbekommen habe, dass am Hals eine Spritze gesetzt wurde. Aber Schmerzen verspürte ich keine.“ Der 66-jährige Patient musste sich einem Eingriff an der Halsschlagader unterziehen und erinnert sich an die Infiltration des Regionalanästhetikums. Seine Diagnose lautete auf symptomatische Ablagerungs-Stenose der Arteria carotis infolge von Arteriosklerose. Die Symptome äußerten sich via mehrmaliger Gefühlsstörungen eines Arms. „Meine Halsschlagader war zu 90 Prozent verengt“, erinnert sich Leeb. „Ohne OP hätte ich wohl einen Schlaganfall erlitten.“

Im Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Ried wurde sie in schonender Regionalanästhesie durchgeführt, einer hier neuen OP-Methode bei diesen Eingriffen. „Dass ich immer wieder gedöst habe, war mir durch die Ablenkung nicht bewusst.“ Auch nicht die Dauer von rund zwei Stunden. Dabei hatte sich der Patient anfangs für die Vollnarkose entschieden. „Aus Angst, dass ich mitbekomme, wenn etwas nicht nach Plan verlaufen sollte.“ Doch vor dem Eingriff fand ein eingehendes Aufklärungsgespräch statt. Tenor: Die Regionalanästhesie bringt für Patient*innen mehr Sicherheit. „Also habe ich mich am Vortag umentschieden.“

40.000 Schlaganfälle pro Jahr

Die Operation an der Carotis erfolgt auch nach leichten Schlagfällen, um einen zweiten schweren zu vermeiden. In Österreich erleiden pro Jahr etwa 40.000 Menschen einen Schlaganfall. Jeder Fünfte passiert wegen einer hochgradig eingeengten Halsschlagader. Bei manchen Patient*innen reicht die Setzung eines Stents. Doch in vielen Fällen muss operiert werden. Seit 2017 wurden in Ried 399 Carotis-OPs durchgeführt, die meisten in Vollnarkose. Nun zunehmend in Regionalanästhesie.

Oberärztin Dr.in Eva Baumgartner-Pöppl ist Fachärztin für Anästhesie, Intensiv- und Palliativmedizin. „Primar Dr. Peter Hohenauer hat die inzwischen etablierte OP-Methode von Anfang an unterstützt.“ Gemeinsam mit ihrem Team wählt sie Patient*innen aus. „Viele sind dafür geeignet.“ Doch es gibt Ausschlussgründe wie Unruhe, Klaustrophobie, Demenz, Panikattacken, schweres Asthma, Allergie auf das Regionalanästhetikum und Beschwerden bzw. Bewegungseinschränkungen von Halswirbelsäule oder Bandscheiben.

Müde, aber kontaktfähig

Zunächst erfolgt das OP-Monitoring mit EKG, Blutdruckmanschette und dem Legen von Zugängen. Dann die Gabe einer leichten Sedierung. „Sie lindert Nervosität“, weiß Baumgartner-Pöppl. „Patientinnen und Patienten werden ein wenig müde, sind aber kontaktfähig.“ Nach der regionalen Betäubung wird ihr Oberkörper in einem 30-Grad-Winkel hochgelagert und die ultraschallgezielte Blockade der das OP-Gebiet versorgenden Nerven gesetzt. „Patientinnen und Patienten können Berührungen empfinden, jedoch keine Schmerzen.“ Danach werden sie wieder flach gelagert und mit einer Pinzette gezwickt, um die Sedierung zu überprüfen. Baumgartner-Pöppl und ihr Team sind in der Nähe. „Patient*innen spüren das und vertrauen uns.“

Oberarzt Dr. Gilbert Hainzl ist Leiter des Gefäßzentrums und beginnt mit der OP. „Über einen Schnitt am Hals wird die Carotis von Engstellen befreit. Oft wird zusätzlich ein Patch zur Erweiterung der Gefäßwände eingenäht.“ Zwecks Neuro-Monitoring, der Überprüfung der Durchblutung des Gehirns, kommen nun Quietschente oder -ball ins Spiel. Bei Aufforderung müssen Patient*innen damit regelmäßig Ja/Nein-Fragen beantworten. Einmal quietschen bedeutet ja, zweimal nein. Schließlich muss die Arterie ausgeklemmt werden. Ist die rechte Halsschlagader betroffen, bekommen Patient*innen das Gummi-Tool in die linke Hand und umgekehrt.

Hand hält Quietschente im OP.
© Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Ried/Hirnschrodt

Die Hand des Patienten während des Eingriffs quetscht das Entchen.

Entenquak als wichtiges Signal

Hainzls Team führe die Carotis-OP in Regionalanästhesie bislang komplikationslos durch. „Wird die Motorik schwächer, hat das Gehirn zu wenig Sauerstoff“, erklärt der Gefäßchirurg. „Durch das Quietschen im 30-Sekunden-Takt bekommen wir das aber mit und können rechtzeitig reagieren.“ In Vollnarkose sei das „in dieser Qualität nicht der Fall“, ergänzt Baumgartner-Pöppl. Ein Gewinn für Patient*innen genauso wie für das Operationsteam.

Kommt es zu einer Minderdurchblutung des Gehirns, wird die Klemmung sofort aufgehoben und ein kleiner Kunststoffschlauch (Shunt) zur Überbrückung des Blutflusses gelegt. Das birgt laut dem Leiter des Gefäßzentrums „eine geringfügige Risikoerhöhung in puncto möglicher Verletzung der Gefäßinnenwand“. Doch durch die Regionalanästhesie wird der Einsatz des Shunts auf jene Patient*innen reduziert, die davon profitierten. Sollten Letztere während der OP unruhig werden, könne jederzeit in die Vollnarkose gewechselt werden. „Insgesamt senkt sie das geringe Komplikationsrisiko des Eingriffs weiter.“ Und der Qualitätscheck erfolgt im OP. „Zum Schluss wird das Ergebnis via Angiographie kontrolliert“, zwei Tage später noch via Ultraschall.

Kleineres Komplikationsrisiko

Bei Leeb klappte alles reibungslos. Wie alle Carotis-Operierten wurde er zur Überwachung und Nachbetreuung für 24 Stunden auf die Stroke Unit verlegt. „Bis auf meinen Rücken, der mir vom Liegen wehtat, hatte ich keine Schmerzen.“ Zur Blutdrucküberwachung und -einstellung verbrachte der Patient einige Tage im Spital. „Durch die Regionalanästhesie normalisieren sich die Werte meist schneller als nach einer Allgemeinnarkose“, sagt Hainzl. Für Leeb war der Eingriff an der Carotis die erste OP überhaupt, die Regionalanästhesie überzeugte ihn. „Ich würde das wieder so machen und empfehle sie anderen Betroffenen.“

Quietschente im Arzt-Style
© Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Ried/Hirnschrodt

Headerbild:
Im Operationssaal: Chirurg Oberarzt Dr. Gilbert Hainzl (rechts) und sein Team während des Eingriffs an der Halsschlagader. Anästhesistin Eva Baumgartner-Pöppl sitzt hinter dem Vorhang.
© Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Ried/Hirnschrodt

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