Ältere tanzende Paare in einem Saal
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Tanzen als sanfte Therapie

Medizin
Reportage

Als Physiotherapeutin und Tänzerin weiß Christine Dressnandt, wie sanfte Bewegungen Körper und Geist stärken. Ganz besonders im Alter und bei onkologischen Fällen.

Von Claudio Honsal

Bewegung ist für Gesundheit in jedem Alter essenziell. Doch nicht allen Menschen fällt es leicht, sich zu regelmäßigem Sport in der Natur oder im Fitnessstudio zu motivieren. Genau hier kommt für Physiotherapeutin Christine Dressnandt das Tanzen ins Spiel. Sie arbeitet seit 39 Jahren im Ordensklinikum Linz und versucht, die Freude und den Sinn tänzerischer Bewegungen zu vermitteln. „Das Wichtigste ist, Bewegungen zu finden, die Spaß machen. Wer Zugang zum Tanzen hat, bewegt sich mit Begeisterung und bleibt regelmäßig dran.“

Gleichzeitig lassen sich beim Tanzen auf spielerische Weise unterschiedliche Aspekte der körperlichen Fitness trainieren. Aus jahrzehntelanger Erfahrung weiß Dressnandt, wie entscheidend Bewegung für den Körper ist. „Der Muskelabbau beginnt bereits ab etwa 30, wenn nicht bewusst gegengesteuert wird.“ Umso wichtiger sei es, Muskulatur, Beweglichkeit, Reaktionsfähigkeit und Gleichgewicht möglichst lange zu erhalten.

Tanzen trainiert das Gehirn und fördert die Merkfähigkeit und die Koordination.

Physiotherapeutin Christine Dessnandt

Christine Dressnandt

Physiotherapeutin und Tänzerin

Beim Tanzen wird die Beinmuskulatur aktiviert und die Beweglichkeit des Vorfußes verbessert. Beides dient der Vermeidung von Stürzen. Diese Prophylaxe ist essenziell im höheren Alter. Gleichzeitig stärkt die aufrechte Tanzhaltung die Rumpfmuskulatur. „Die Körperhaltung trägt viel zum Erscheinungsbild eines Menschen bei. Schließlich möchten Tänzerinnen und Tänzer immer gut aussehen“, sagt Dressnandt.

Musikalisches Gehirntraining

Die Physiotherapeutin tanzt privat seit ihrer Jugend mit großer Leidenschaft. Heute schwingt sie regelmäßig mit ihrem Ehemann das Tanzbein. Sie liebt klassische Standardtänze und lateinamerikanische Rhythmen. „Auch wenn ich persönlich noch keine Beschwerden habe, ist Tanzen die ideale Prophylaxe, um den Bewegungsapparat für das Alter fit zu machen.“

Tanzen trainiert durch komplexe Bewegungsabläufe auch das Gehirn. So müssen sich Tänzer*innen oft komplizierte Schrittfolgen merken, Bewegungen koordinieren und auf Musik reagieren. „Das fördert die Merkfähigkeit und die Koordination“, weiß die Physiotherapeutin.

Bewegung macht Chemo verträglicher

Dressnandt nützt ihr Wissen sogar auf der Onkologie. Hier betreut sie Patient*innen von 25 bis 80 Jahren mit Krebserkrankungen. Wie Studien zeigen, verbessert regelmäßige Bewegung die Verträglichkeit von Therapien und kann sogar die Rückfallquote bestimmter Tumorerkrankungen senken.

Selbst während einer Chemotherapie kann Bewegung möglich sein, natürlich an den jeweiligen Gesundheitszustand angepasst. „Viele sollen aufgrund ihres geschwächten Immunsystems nur wenig Kontakt zu anderen Menschen haben. Aber tanzen können sie trotzdem. Mit Kopfhörern oder über den Laptop sogar direkt im Krankenzimmer“, spricht Dressnandt aus Erfahrung.

Kleine Schritte, große Erfolge

Die sanften Bewegungen stärken den Körper und heben die Stimmung, sofern es der individuelle körperliche Zustand von Patient*innen zulässt. Therapeutisch hilfreich ist es, wenn bereits früher eine gewisse Begeisterung für Musik und Bewegung vorhanden war. Dressnandt fragt oft nach der Lieblingsmusik. „Dann reichen manchmal schon kleine Schritte oder sanfte, rhythmische Bewegungen zur Musik, um Koordination und Gleichgewicht zu fördern und so die Sturzprophylaxe aufzubauen. Kleine Schritte bringen oft große Erfolge.“

Das Tanzen hält den Körper fit. © Getty Images

Schließlich werden beim Tanzen Glückshormone ausgeschüttet, die das Wohlbefinden steigern. Für Dressnandt ein wertvoller Zusatz für individuelle Physiotherapie. „Mit Tanz-bewegungen wird die Behandlung um eine angenehme, motivierende Facette erweitert.“ Und ein Stück Lebensfreude gedeiht im oft herausfordernden Klinikalltag.

Headerbild: © Getty Images

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