
Ein Gespräch mit einer Kollegin in der Pause vor einer Besprechung. „Fein, Martina, wenn du noch nicht im Büro bist, dann kann ich mir auch noch Zeit lassen.“ Darauf eine weitere Kollegin: „Ja, beim Mittagessen darf man nicht hasten.“ Da konnte ich nicht anders und erzählte, dass ich es genieße, nach dem Essen eine Weile schweigend zu sitzen und wahrzunehmen, was rund um mich geschieht bzw. sich in mir bewegt.
Während ich in meinem Berufsalltag mitwirke, Prozesse zu beschleunigen, weiß ich aus Erfahrung, dass es als Mensch immer wieder Zeiten der Entschleunigung und des absichtslosen Daseins braucht, damit das Aufeinander-Hören, die Kommunikation, ja selbst das gemeinsame Arbeiten gelingen.
„Kannst du beim Schweigen das Denken ausschalten?“, fragte meine Kollegin interessiert. „Nicht unbedingt" sagte ich, „aber mit etwas Übung bekommt es eine andere Ausrichtung.“ Nicht mehr das Drehen um die vielen eigenen Angelegenheiten oder mitunter Sorgen steht im Mittelpunkt, sondern das aktuelle Gegenüber, die Umwelt, das Geschenkhafte am Leben. Nicht mehr das rasche Beurteilen einer Situation ist dran, sondern das interessierte Auf-sich-wirken-Lassen und daraus Kraft schöpfen. Und das geht überall, beim Mittagessen, in der Straßenbahn, ja sogar im Wartezimmer.
Ja, ich schweige gerne, und manchmal nenne ich es beten.
Wie unser Gespräch am Mittagstisch endete? Meine Kollegin zeigte mir, was ihr zur inneren Sammlung hilft. In aller Achtsamkeit machten wir eine Yoga-Übung.
Was macht für Sie Pausen wertvoll?
Bild: Ulrike Hölzel